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From German magazine, Lydia, March 2000 When the Soul and Body Starve: Overcoming Anorexia
Spieglein,
Spieglein... Alles begann
mit dem einfachen Wunsch, gut auszusehen. Doch
dann verlor ich die Kontrolle, bis Gott mich mit sachter Hand vor dem Abgrund
der Verzweiflung bewahrte. von
Janna Graber, erzählt von Rebecca Thornton Ich
konnte nicht aufhören. Seit über
zehn Minuten war ich schon schnurgesprungen, und meine Beine schmerzten.
Während mein Körper flehte, aufzuhören, forderte meinWille Gehorsam.
“Du wirst springen,” befahl er.
“Du mußt abnehmen.” Der
Spiegel an der Wand enthüllte meine knochigen Rippen, die eingefallenen Augen
und spindeldürren Beine. Doch meine Augen sahen ein ganz anderes Bild als das des 92 Pfund
leichten, 168 Zentimeter großen Skeletts, das der Spiegel reflektierte.
“Wenn ich ein paar Pfunde abnehme,” redete ich
mir ein,” werde ich attraktiver sein.
Mein
Springen wurde schneller und mein seelischer Zustand verzweifelter. Mittlerweile fühlten sich meine Arme and wie Blei und
schrieen nach Pause. Aber ich
sprang weiter - heftiger. Tränen
strömten nun über mein Gesicht, als dieses bekannte Gefühl der Verdammnis
mich einholte. Ich war in einem
dunklen Loch verloren, beherrscht von der zwanghaften Besessenheit, abzunehmen.
Nicht mehr hatte ich Kontrolle über meinen Körper - er beherrschte mich.
Selbstmordgedanken, die mich dazu verlockten, allem zu entkommen, nahmen
mich gefangen. Doch inmitten meines
Schluchzens rief ich zu Gott: “Bitte hilf mir!
Hilf mir! Niemand anderer
ist dazu in der Lage!” Ich
hatte keine Ahnung, wie mächtig Gott mein Gebet erhören würde.
Während meiner Kindheit hätte ich mir nie erträumt, daß ich eines Tages mit einer Eßstörung namens Anorexia kämpfen würde. Ich war das mittlere Kind in einer starken, christlichen Familie. Gott war ein äußerst wichtiger Teil unseres Lebens, und ich erinnere mich an die vielen Sonntage in der Kirche. Im Alter von acht Jahren erkannte ich, daß Christus mein Erlöser war und bat ihn um Vergebung für meine Sünden. Trotzdem verstand ich Gottes Liebe nicht. Ich war mit dem Glauben an Christus aufgewachsen und wußte nicht wirklich, was das eigentlich bedeutete. Ich hatte keinen blaßen Schimmer, wie man eine Freundschaft, ja Beziehung mit Christus in Praxis lebte. Ich entwickelte ein niedriges Selbstbewußtsein während meiner Jahre als Teenager und kämpfte mit der Frage nach dem Sinn meines Lebens. Brillen und eine Zahnspange machten die Sache nur noch schlimmer - mit ihnen fühlte ich mich wie ein häßliches Entlein. Durch Anständigkeit und Hilfsbereitschaft versuchte ich, mein Selbstbewußtsein zu steigern. Doch als in meinem fünfzehnten Lebensjahr mein liebster Großvater starb, ging alles schnell bergab. Sein Krebsleiden mitanzusehen füllte mich mit Verzweiflung, und ich versank in tiefe Depression. Nachdem er starb, rebellierte ich. Ich schwänzte die Schule und stopfte ungesundes Essen in mich rein, worauf ich schnell stark zunahm. Schließlich gewann mein Verlangen, Leuten zu gefallen, über meine Rebellion hinweg. Die vielen unnötigen Pfunde an mir steigerten aber meinen Selbsthaß. Als ich zu studieren begann, war ich noch immer depressiv. Ahnungslos, was ich mit meinem Leben anfangen wollte, immatrikulierte ich mich an einer nahegelegenen, kleinen Hochschule. Doch als die Begeisterung des ersten Semesters jäh abstürzte, schwänzte ich wieder mal meine Vorlesungen, verlor die wenigen Freunde, die ich gewonnen hatte und vermasselte alle Prüfungen. Eines Sonntags in der Kirche, bemerkte ich, dass eines der High School Mädchen sehr dünn war. (Später fand ich heraus, daß sie unter Anorexia litt.) Ich beneidete sie um die Beachtung und Aufmerksamkeit, die ihr erbracht wurde, und um ihre gute Figur. Ich hatte eine Idee: Wenn ich abnehmen würde, dann hätte ich mehr Selbstbewußtsein. Deswegen begann ich mit einer einfachen Diät. Mein Plan? Ich würde nur Obst und Gemüse essen. Die Pfunde begannen zu purzeln, und mein Gewicht ging von 140 auf 125 Pfund in nur wenigen Monaten. “Du siehst toll aus!” sagte man mir. Das Feuer wurde dadurch angefacht, und ich ertüftelte eine neue Strategie in meiner “Diät” - ich würde nur noch Gemüse essen. Da ich zu Hause wohnte, war es nicht einfach, meine Eßgewohnheiten zu verheimlichen. Da aber meine Mutter berufstätig war, und meine Familie sonst viel zu tun hatte, konnte ich meine Störung erfolgreich verstecken. Als ich entdeckte, daß ich durch Gymnastik noch mehr Pfunde abnehmen konnte, begann ich, schnurzuspringen, zu tanzen und zu joggen. Schon bald machte ich bis zu zwei Stunden täglich Bewegung. Mein Wunsch abzunehmen, hatte sich in eine Besessenheit verwandelt. Aerobics und Essensverweigerung gaben mir das Gefühl der Kontrolle, nach dem ich mich gesehnt hatte. Ich war meinen Ruf als braves Mädchen, das anderen gefallen wollte, müde. Jetzt war ich der Boß und konnte mit meinem Körper machen, was ich wollte. Als ich mich auf 120 Pfund heruntergehungert hatte, bemerkten meine Eltern, daß ich dünner geworden war. Trotz ihrer Besorgnis ignorierte ich sie und testete meine eigenen Grenzen. Ich beschloß, meine Essenszufuhr auf Karotten und Wasser zu beschränken. Im Rückblick sehe ich heute, wie mein Körper damals nach Nährstoffen geschrien hatte. Mein Energiepegel war dramatisch abgesunken, und Anorexia nahm mein Leben ein. Doch sogar als ich meinen Abfall in die Verzweiflung spürte, konnte ich nicht aufhören, meinen Körper - mich! - verhungern zu lassen. Es war ein Gefängnis, aus dem ich weder entrinnen wollte noch konnte. Selbstmordgedanken überfielen mich. Währenddessen ging ich weiterhin zur Kirche und wußte, daß Gott noch immer für mich da war. Ich begann nun, ihn um Hilfe anzurufen. Dieser innere Kampf dauerte über zwei Jahre. Als ich nur noch 104 Pfund wog, waren meine Eltern außer sich vor Sorgen. “Du bist zu dünn!” riefen sie und zeigten auf meine knochigen Rippen. Sie versuchten, mich zum Arzt zu schicken, aber ich verweigerte aus Zorn. Damals ging niemand zum Psychiater, daher wußten meine Eltern nicht, wie sie mir helfen sollten. Schließlich fielen meine Haare aus. Bei nur 92 Pfund angelangt, begann mein Körper, sich selbst aufzufressen. Meine Mutter stellte mich endlich zur Rede. Als ich beichtete, daß ich seit über einem Jahr keine Menstruation mehr gehabt hatte, schleifte sie mich zum Arzt. Gott verwendete den Arzt, um die ersten Samen meiner Erholung zu pflanzen. “Du kannst daran sterben,” sagte er. “Na und?” dachte ich. Doch dann meinte er:”Es kann sein, daß du nie mehr Kinder haben kannst, wenn du so weitermachst.” Der Gedanke an ein kinderloses Leben war erschreckend! Auf dem Weg in die Arztpraxis, stieß ich meinen hervorstehenden Beckenknochen an der Tür an, und dachte mir unter Schmerzen und dem Gedanken an einen riesigen bleuen Fleck:”Vielleicht bin ich wirklich zu dünn.” Ich versuchte, mehr als nur Karotten zu essen. Das war leichter gesagt als erhofft. An manchen Tagen konnte ich mich dazu zwingen, etwas Salat oder trockenes Müsli herunterzuwürgen, aber ich fühlte mich so schuldig. Eine fortwährende Stimme in meinem Kopf rief:”Hör auf zu essen! Du wirst noch dick! Niemand wird dir dann noch Beachtung schenken.” Ich gehorchte meinen Schuldgefühlen und war hin,-und hergerissen zwischen dem Verlangen “normal” zu sein und dem Wunsch nach Kontrolle. Aber Gott werkte immer noch an mir. Als ich 20 Jahre alt war, nahm mich meine Mutter zu einem Konzert der Continentals, einer christlichen Singgruppe, mit. Sie überzeugte mich davon, mich als Mitglied zu bewerben, und ich war wirklich überrascht, als sie mich nahmen. Plötzlich war ich dauernd von Christen umgeben. Da wir gemeinsam um die Welt reisten, war es schwer, meine Krankheit vor den anderen zu verstecken. Einer der Gruppenmitglieder, Jimmy Thornton, wurde ein guter Freund. Wir verbrachten Stunden damit, miteinander über Verschiedenstes zu sprechen. Eines Tages im Tourbus sprudelte die Wahrheit über meine Eßstörung nur so aus mir heraus. Jimmy verurteilte mich nicht - er hörte einfach nur zu. Dann begann er sanft von Gottes perfekter Liebe zu sprechen. Gottes Liebe für mich sei vollkommen, sagte Jimmy, und ich sei wertvoll in Gottes Augen, so wie ich wirklich war. Obwohl ich diese Worte in der Kirche schon oft gehört hatte, war es dies das erste Mal, daß ich sie für mich persönlich anwenden konnte. Jimmy erzählte mir noch über vieles andere, wie etwa von meiner inneren Schönheit, und er ermutigte mich dazu, von meiner Besessenheit nach Kontrolle loszulassen. Langsam machten seine Worte Sinn. Vielleicht hatte ich ja wirklich ein Problem. Vielleicht, mit Gottes Hilfe, würde ich davon geheilt werden. Ich begann, Gott täglich anzurufen, die Bibel zu lesen, und betete ernsthaft um seine führende Hand in meinem Leben. Langsam fing ich an zu verstehen, daß Gott mich genau so liebte, wie ich war. Ich mußte nicht um die Anerkennung meiner Mitmenschen kämpfen. Obwohl ich während dieser Zeit des Umdenkens weiterhin nicht richtig essen konnte, lockerten die winzigen Körner des Glaubens die Verklemmtheit, die Anorexia auf mich ausübte. Jimmy versuchte, mich anzuspornen, wenn ich zu Mahlzeiten Essen von meinem Teller löffelte. “Du schaffst es,” sagte er, “probier noch einen Bissen.” Ich mußte gewissermaßen bei Null anfangen, als ich den Akt des Essens wiedererlernte. Oftmals würde ich meinen Teller anhäufen, konnte dann aber keinen einzigen Bissen zu mir nehmen. Wenn niemand hersah, würde ich mein Essen in der Serviette verstecken. Manchmal, wenn ich es schaffte, kleine Portionen zu essen, schwebten Schuld und Angst über mir. Doch mit jedem löffelvoll, den ich herunterwürgte, wuchs sowohl Selbstbewußtsein als auch mein absolutes Vertrauen in Gott. Als ich eines Tages eine ganze Portion zu mir nahm, jubelte ich! Ich konnte nun Gottes heilende Gegenwart in meinem Leben spüren. Am Ende der Tour war ich in der Lage, richtige Mahlzeiten zu essen, und hörte erst auf, wenn mein Körper zufrieden war. Ich fühlte mich wie neugeboren – gesund und voller Hoffnung. Doch wieder zu Hause nach der Tour, mußte ich meinen alten Gewohnheiten und Abhängigkeiten ins Auge sehen. In meinem Kopf spielten feindliche Gedanken Katz und Maus. “Möchtest du nicht wieder dünn sein?” riefen sie. “Wenn du noch mehr ißt, wirst du die Kontrolle verlieren.” Manchmal, wenn ich in mein altes Leben zurückfiel, aß ich abermals keinen Bissen. Und während der Mahlzeiten, zu denen ich mich zwang, zählte ich die Kalorien in mir, weiterhin gefangen in den Klauen meiner Eßstörung. Die schlimmsten Versuchungen überkamen mich, wenn ich Illustrierte und Fernsehsendungen ansah. Sie alle präsentierten die “ideale,” schlanke amerikanische Frau. Ich sehnte mich noch immer danach, so auszusehen. Doch jedesmal, wenn ich mich vor dem Abrutsch in Anorexia fürchtete, rief ich zu Gott in meiner Verzweiflung. “Gott, hilf mir in meinem Kampf!” betete ich, und hörte seine Ermutigungen oft durch die Schrift, die mich an Gottes Werte erinnerte, und, die mich durch die Lügen der Welt sehen ließ. Er schenkte mir die notwendige Kraft dafür, täglich eine bewußte Entscheidung zu treffen, mich nicht schuldig zu fühlen, wenn ich essen würde. Meine Heilung von Anorexia passierte natürlich nicht über Nacht. Über zwei Jahre lang wackelte ich in diesem zehrenden, steilen Kampf. Doch jeden Tag wurde es ein kleines bißchen leichter, ohne Schuld zu essen, und ich war imstande, mehr zu mir zu nehmen. Ich wußte um meine langsame Heilung bescheid. Jimmy und ich ließen unsere Freundschaft durch Briefe weiterleben, als ich zurück aufs College ging. Ich studierte Ernährungswissenschaften, um die Bedürfnisse meines Körpers besser zu verstehen. Während meines letzten Studienjahres, feierten Jimmy und ich unsere Verlobung. Als wir nach meinem Abschluß heirateten, war ich komplett von Anorexia geheilt. Obwohl viele, die unter dieser Eßstörung leiden, oft ihr lebenlang damit kämpfen, hat Gott mich ganz und gar von dieser ernsten Krankheit befreit. Jetzt, im Alter von 37 Jahren, treibe ich nach wie vor gerne Sport, aber ich halte mein Gewicht bei gesunden 128 Pfund. Durch meine Erfahrung darf ich heute anderen als Beraterin zur Seite stehen. Entgegen der besorgten Warnungen des Arztes, hat mich Gott mit vier wunderschönen Kindern gesegnet. Anorexia ist eine schwere Abhängigkeit, die mich beinahe mein Leben gekostet hätte. Doch durch Gottes Gnade kam ich als Sieger aus diesem Kampf hervor. Ich weiß aus erster Hand, daß Gott ein Leben voller Verzweiflung in etwas Herrliches verwandeln kann. ***
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